Gedenkveranstaltung in Temeswar

Eine würdevolle Feier

Der 81. Jahrestag seit der Deportation der Banater- und Sathmarer Schwaben, der Berglanddeutschen sowie der Siebenbürger Sachsen in die UdSSR war am 20. Februar 2026 in Temeswar Mahnen und Gedenken zugleich. Eine heilige Messe zur Erinnerung an die Opfer der damaligen Deportation, mit Ansprachen in der Temeswarer Katharinenkirche erinnerte an diese schwere Zeit.
Die Heilige Messe wurde von Msgr. Johann Dirschl, Generalvikar, zelebriert, in Anwesenheit des evangelisch-lutherischen Pfarrers Walther Sinn. Konzelebrant war Josef Hajdú, emeritierter Pfarrer.
An der Heiligen Messe und an den Gedenkveranstaltungen nahmen teil: Anja Zougouari, Konsulin der Bundesrepublik Deutschland in Temeswar, Dr. Paul Jürgen Porr, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR), Dr. Johann Fernbach, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat, Erwin Josef Țigla, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen im Banater Bergland, Cornelia Elena Micicoi, Präfektin des Kreises Timiș, Vertreter des Bürgemeisteramtes Temeswar und nicht zuletzt Ignaz Bernhard Fischer, Vorsitzender des Vereins der ehemaligen Russlanddeportierten. Im Namen der Landsmannschaft der Banater Schwaben in Deutschland nahmen Christine Theresia Neu (Stellv. Vorsitzende), Johann Janzer (Mitglied des Bundesvorstands) sowie Erna Paler und Walter Altmayer von der Temeswarer Vertretung des Verbandes teil. An der liturgischen Gedenkfeier waren Landsleute aus den Ortschaften Sanktandres, Sackelhausen, Lugosch, Großsanktnikolaus, Reschitza, Arad und Busiasch anwesend.

Katharinenkirche in der Innenstadt von Temeswar. Sie ist eine der ältesten Kirchen der Stadt und wurde 1301 – 1342 gebaut.
Faltblatt, ausgelegt in der Katharinenkirche

In der Predigt (Einführungsrede), die Msgr. Johann Dirschl auf Deutsch und Rumänisch hielt, sagte er: “Heute feiern wir eine Heilige Liturgie für all jene, die leiden mussten – für jene, die nach Russland, in die damalige UdSSR, deportiert wurden. Es war eine schreckliche Zeit für die deutsche Minderheit in Rumänien. Viele unserer Verwandten, Freunde, Bekannten und Nachbarn wurden in den Krieg gezogen. Der Krieg war noch nicht einmal ganz vorbei, und diejenigen, die zu Hause blieben – Männer, aber vor allem Frauen zwischen 16 und 40 Jahren – wurden zur Zwangsarbeit in die UdSSR geschickt. Wie wir aus Statistiken wissen, kehrten etwa 15 % von ihnen nie zurück. Ich glaube, jeder hatte jemanden in Russland, vielleicht sogar jemanden, der dort ums Leben kam. Mein Großvater Dirschl war ebenfalls in Russland, zusammen mit seinen zwei Brüdern und zwei Schwestern, mitten im Donbass, von dem wir heute so oft hören. Mein anderer Großvater war zusammen mit seinem Bruder Kriegsgefangener in England. Meine Großmutter väterlicherseits, Großmutter Dirschl, starb bei der Geburt meines Vaters. Die andere Großmutter war bei meiner Mutter, die noch jung war, zu Hause, aber ihre Geschwister – ein Junge und drei Mädchen – waren ebenfalls in Russland. Der Junge war erst 14 Jahre alt, aber er war noch immer voller Hoffnung. Er wurde deportiert und dort vor den Augen seiner Schwestern erschossen. Wir sehen also, dass diese Zeiten alles andere als einfach waren. Außerdem wussten sie nicht, wie lange diese Situation andauern würde – ein Jahr, zwei Jahre, fünf Jahre oder noch länger“.

Msgr. Johann Dirschl, Generalvikar Diözese Temeswar
Fotos: J. Janzer, HOG Sanktandres

Des Weiteren bezog er sich in der Predigt auf die Deportationszeit und zitierte aus dem Werk „Deportation der Deutschen in der Sowjetunion (1945)”. Mit besonderer Berücksichtigung des Banats“ von Mircea Rusnac: „Die Geschichte des zaristischen Russlands und später der Sowjetunion ist reich an Fällen von Massendeportationen der Bevölkerung aus Gebieten mit größerem Widerstand gegen das repressive Regierungssystem in die entlegensten Regionen des Landes (Sibirien, Kasachstan, Workuta, Kolam usw.). Dieses Phänomen verschärfte sich während des Zweiten Weltkriegs, als es den sowjetischen Führern gelang, ganze Völker wegen Kollaboration mit dem Besatzer zu deportieren. Rumänien war das erste Land, das dies erlebte und als erstes von der Roten Armee besetzt und der sowjetischen Einflusssphäre zugeschlagen wurde. Das rumänisch-sowjetische Waffenstillstandsabkommen vom 12. September 1944 legte fest, dass Rumänien der UdSSR 100.000 Arbeitskräfte stellen musste.“ (…) Die rumänische Regierung benennt Männer im Alter von 17 bis 45 Jahren und Frauen im Alter von 18 bis 35 Jahren, 27.000 Sachsen, davon 16.000 Frauen, 35.000 Schwaben aus dem Banat, davon 20.000 Frauen, und 18.000 Deutsche aus anderen Regionen Rumäniens.“


Nach der liturgischen Gedenkfeier ergriffen im schönen Gotteshaus zunächst Dr. Johann Fernbach (Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat) und Anja Zougouari (Deutschlands Konsulin in Temeswar) das Wort. Der Vorsitzende des DFDB hielt eine kurze Rückschau auf das Verbrechen vor 81 Jahren, während die Konsulin auf das Nichtvergessen der Verschleppung hinwies. Dr. Paul Jürgen Porr (Vorsitzender des DFDR) mahnte, man solle in der heutigen Zeit geschlossen die Warnung “Nie wieder Krieg!” festigen. Ignaz Bernhard Fischer, geboren 1926 (Vorsitzender der ehemaligen Verschleppten in die Sowjetunion und Überlebender der Deportation) schilderte seine Erlebnisse im Lager: „Hunger, harte Arbeit und fast nichts zu essen. Und das war wohl das Schwerste zu ertragen. (…) Läuse und andere Insekten quälten uns Tag und Nacht. Wir wussten nicht, wie wir uns helfen sollten. So verging die Zeit. Man wusste nicht, ob man morgen, übermorgen oder nächste Woche noch leben würde – oder nicht. Und stellen Sie sich vor, wie viele von uns, die jungen Leute, dort zurückblieben, zum Tode verurteilt ohne Richter. Sie standen nie vor einem Richter. Es gab Hunger, Not, Verzweiflung. So starben sie. Gott sei ihnen gnädig. Wir hatten jedoch Glück und konnten 1949 endlich nach Hause zurückkehren. Aber was wir erlebt und erduldet haben, hat sich tief in unser Gedächtnis eingebrannt.“ Elena Micicoi (Präfektin des Kreises Temesch) würdigte die Opfer, aber auch die Überlebenden der Deportation. Allen Anwesenden wurde klar: So etwas darf nie wieder geschehen!

Kranzniederlegung

Nach der Heiligen Messe begaben sich die Anwesenden zum Denkmal für die Deportierten im Garten des Hauses Adam Müller-Guttenbrunn, wo sie beteten, Kränze niederlegten und den Opfern der Deportation Hochachtung und Dankbarkeit zeigten.
Vertreter des Banater Regionalforums, Konsulin Anja Zougouari, der Abgeordnete der deutschen Minderheit im rumänischen Parlament, Ovidiu Ganț, und der DFDR-Vorsitzende Dr. Paul-Jürgen Porr waren bei der Kranzniederlegung vor dem AMG-Haus dabei. Aus Reschitza kam Erwin Josef Țigla (Vorsitzender des DFBB). Ignatz Bernhard Fischer (99) hielt eine kurze, rührende Ansprache. Viele angereiste Banater Schwaben aus Deutschland waren auch zugegen. U. a. waren auch Vertreter der Landsmannschaft der Banater Schwaben vor Ort, wie die stellvertretende Bundesvorsitzende des Bundesvorstandes Christine Neu und ein Vorstandsmitglied der Landsmannschaft der Banater Schwaben Johann Janzer.

Die Kranzniederlegung am Denkmal
Ch. Neu und J. Janzer am Denkmal

Nach der Gedenkfeier tauschten sich die Teilnehmer aus dem In- und Ausland im Foyer des Adam Müller-Guttenbrunn-Hauses rege aus.
Den Organisatoren der Feier, der Diözese Temeswar und dem Demokratischen Forum der Deutschen im Banat, sei dafür herzlich gedankt.

Schreiben Sie einen Kommentar

29 − = 27