Folgen der Nachkriegszeiten

Der I. Weltkrieg

Im Herbst 1915 waren bereits mehr als 300 Sanktandreser im Fronteinsatz. Wegen seiner günstigen Verkehrslage und der Nähe zu Temeswar spielte Sanktandres im Kriegsgeschehen eine besondere Rolle. Als Standort einer großen Zeppelinhalle  ging der Name „Szentandras“ in die Kriegsgeschichte ein. Sanktandres war auch Standort einer meteorologischen und einer drahtlosen Telegrafenstation. Im Jahr 1917 weilte Herzog Max von Thurn und Taxis (Gardekapitän) in Sanktandres. Mit zunehmender Dauer des Krieges – 444 deutsche Männer der Gemeinde Sanktandres standen im Fronteinsatz – wurde die physische, psychische  und wirtschaftliche Belastung der Frauen und alten Männer, die daheim in der Landwirtschaft und den sonstigen Betrieben einspringen mussten, immer größer und unerträglicher.
Am 11. November 1918 endete endlich der I. Weltkrieg. Er forderte unter den Soldaten fast zehn Millionen Todesopfer und etwa 20 Millionen Verwundete. Die Anzahl der zivilen Opfer wird auf weitere sieben Millionen geschätzt. Er ließ keinen Lebensbereich unberührt und änderte somit die Lebensumstände der gesamten Menschheit gravierend. Die habsburgische Herrschaft löste sich nach fast 640 Jahren auf. Die Nationalitäten der Monarchie Österreich-Ungarn bildeten eigene Staaten oder schlossen sich anderen Staaten an. Die Monarchie war zerfallen. Der Vertrag von Trianon regelte den Frieden mit der neu gegründeten Republik Österreich und mit Ungarn. Ungarn wurde zu Gebietsabtretungen verpflichtet. Ungarn musste einen Teil des Banats an den neugegründeten südslawischen Staat Jugoslawien sowie an Rumänien abgeben.

„Treu und tapfer bis in den Tod“

Dieses Denkmal wurde zu Ehren unserer im Weltkrieg gefallenen, verschollenen und gestorbenen Helden durch Spenden der opferwilligen Bürgerschaft dieser Gemeinde errichtet
steht auf dem Kriegerdenkmal das gegenüber der katholischen Kirche seinen Standort hat. 43 Gefallene und 13 Vermisste hat Sanktandres, das ab nun zu Rumänien gehört, aufgrund dieses Grabenkrieges zu beklagen.  Am zweiten Ostertag des Jahres 1926 weihte Pfarrer Anton Hügel das Kriegerdenkmal ein.

Der II. Weltkrieg

Am 1. September 1939 kam es zum verhängnisvollen Ausbruch des II. Weltkrieges.
Unser Landsmann Jakob Jost berichtet sehr ausführlich in den Sanktandreser Heimatblättern  2 und 3 (noch erhältlich im Medienvorrat der HOG) unter dem Titel „Erinnerungen an die Teilnahme am verbrecherischen Krieg und an dessen Gräueltaten“ von dem Erlebten einiger Andreser als armselige Landser in diesem verdammten Krieg.
Bereits Ende 1943 hatten die Sanktandreser insgesamt 29 Todesopfer zu beklagen. Wir zählen insgesamt 101 Gefallene und Vermisste von Sanktandres in der Rumänischen und Deutschen Wehrmacht.

Deportation deutscher Männer und Frauen in die Sowjetunion

Mitte Januar 1945 wurden von Sanktandres etwa 330 Personen deutscher Volkszugehörigkeit für fünf Jahre nach Russland in fünf Arbeitslagern (Orsk-Ural Arbeitslager 1902 – siehe Plan von Frau Schreiber entworfen, Rudnik/Stalino Krasnoarmejsk Arbeitslager 1028, Gorlowka/Donezbecken Arbeitslager 1029, Nowomoskowsk/Makejawka Lager 1001 und Tscheljabinsk) verschleppt. Unter den Deportierten waren zwei Drittel Männer und ein Drittel Mädchen und Frauen. 39 betroffene Personen wurden zu Opfer der Zwangsarbeit in der UdSSR. Die Überlebenden können verzeihen. Vergessen werden sie nie.

Die Enteignung nach dem Krieg

Mit einem Gesetz vom 23.3.1945 wurde sämtlicher Besitz der Deutschen enteignet. Die Sanktandreser Bevölkerung, vor allem die Bauern, kamen durch die Enteignungsmaßnahmen zum totalen Verlust ihrer bisherigen Lebensgrundlage. Mit diesen Maßnahmen überging der genannte Besitz ohne Entschädigung sofort in das Eigentum des Staates. 1948 kam es zur Gründung der „Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft“.  

Sonstiges

Viele Sanktandreser arbeiteten danach in den Industriebetrieben Temeswars. Der Umgang mit den rumänischen Arbeitskollegen war selbstverständlich Rumänisch. Daheim in der Familie und „uner de Schwowe“ wurde jedoch nur deutsch gesprochen. Deutsch zu sprechen wurde nicht verboten. Im Gegenteil: der Schulunterricht wurde in deutscher Sprache abgehalten. Die banat-schwäbische Bevölkerung lebte ihr Brauchtum und Tradition.
Größere Schikanen der deutschen Minderheit kamen ab 1977 auf, was das Vorantreiben einer Aussiedlung der Deutschen nach Deutschland gewaltig forcierte.
Heute leben die ehemaligen Sanktandreser  verstreut in fast allen Bundesgebieten, die meisten jedoch in Baden-Württemberg und Bayern.  

Quellen: Sanktandreser Heimatbuch, Sanktandreser Heimatblätter und Internet