Faschingszeit in Andres

In dieser Zeit erinnert man sich an Maria Lichtmess. Früher gingen die Gläubigen am 2. Februar in unserem Ort mit den geweihten Kerzen mit der Prozession um die Kirche. Jedes Haus schaffte sich eine geweihte Kerze an und trug sie in Ehren. Es hieß: „Maria Lichtmess, Spinne vergess, bei Toch (Tag) zu Nacht gess.“ In dieser Zeit spendete der Priester den Blasiussegen, der für uns Katholiken für Gesundheit und Heil gedacht war.

Ab nun war die gesamte Bevölkerung fröhlich gestimmt und die Faschingszeit war voll im Gange. Karnevalsumzüge fanden in Sanktandres nicht statt. Die Andreser waren Faschingsmuffel. Da mussten unsre Ortsnachbarn, die Mercydorfer, ab und zu ein buntes Treiben auf die Beine stellen.

Stattdessen organisierte man in den Wintermonaten in Sanktandres verschiedene Veranstaltungen, die in unserem Dorf großen Zuspruch fanden.
Im Jahr 1968 fand erstmals ein Schwabenball statt – ein Trachtenfest als Ausdruck von Brauchtumspflege, ausgerichtet von Andreser Eheleuten.
Die Trachtenpaare trafen sich meist gegen 18 Uhr zusammen mit den Musikanten beim Vortänzerpaar. Die Musikanten spielten einige Stücke zur Eröffnung. Die Gäste wurden mit Kuchen, Wein und Schnaps beköstigt. Anschließend marschierte der Trachtenzug mit Lampions begleitet von der Marschmusik der Andreser Blasmusikkapelle zum Kulturheim. Dort warteten bereits die Gäste im gut gefüllten Saal. Bei der Ankunft wurden die Wintermäntel abgelegt und nachdem die Musikanten auf der Bühne waren, folgte auf ein Zeichen der Organisatoren der Einmarsch der Trachtenpaare.
Der Zug wurde von dem Vortänzerpaar mit dem Vorstrauß in der Hand angeführt. Es folgte das Vortänzerpaar des Vorjahres nun als Nachtänzer. Diese beiden Männer trugen je einen geschmückten Hut. Da nicht alle Männer sich Lederstiefel besorgen konnten, waren auch einige dabei, die Schuhe trugen. Die Frauen trugen die schöne Andreser Kirchweihtracht. Im Jahr 1970 – ein Trachtenzug mit 38 Paaren – gesellten sich an die Spitze des Aufmarsches symbolisch vier Generationen, alle in einer charakteristischen Tracht. Es zeigten sich ein Kinderpaar, ein jugendliches Paar, ein Paar mittleren Alters und ein Paar welches die Großelterngeneration repräsentierte.
Nach dem Aufmarsch stellten sich die Paare auf der Tanzfläche in einem Kreis auf. Es folgte die Begrüßung durch den Vortänzer. Der erste Tanz wurde nur vom Vortänzerpaar getanzt. Danach folgten das Nachtänzerpaar und die restlichen Trachtenpaare. Beim darauffolgenden Vortänzertanz, bei dem alle Gäste mit dem Vortänzerpaar tanzen konnten, leistete man kleine Gaben.
Die Schrammelmusik war bemüht, den Tanzlustigen die Gelegenheit zu geben, ohne Unterbrechung das Tanzbein schwingen zu können. Das „Zeppeln“ (schwowisches Polkatanzen) stand allemal im Vordergrund.
Die Gäste konnten durch den Erwerb von Stimmzettel die schönste Frauentracht bestimmen. Die drei Frauen mit den meisten Stimmen wurden prämiert.
In den meisten Jahren wurden von den Teilnehmern einige Volkslieder eingeübt, welche im Laufe des Abends von den Mitwirkenden gesungen wurden.
Gegen Mitternacht erfolgte die Begrüßung durch den Nachtänzer und danach die Versteigerung des Vorstraußes, wodurch das neue Vortänzerpaar bestimmt wurde. Das abgelöste Vortänzerpaar wurde nun zum Nachtänzerpaar. Bei der vorgestellten Auktion des Straußes durften alle Gäste mit steigern. Jeder, der beim „Verlezitiere“ mitwirkte, musste den gebotenen Mehrbetrag gleich entrichten. Das Geld wurde in einem Hut gesammelt und diente auch zur Unkostendeckung (Musik, Saalmiete usw.). Da das neue Vortänzerpaar schon im Voraus daheim viele Vorbereitungen treffen musste, um nach dem Heimspielen in der Früh die Trachtenpaare und Musikanten mit Kipfeln, Kuchen, Kaffee, Wein und Schnaps zu versorgen, war es nicht immer leicht Anwärter auf den Vorstrauß zu finden. Die näheren Verwandten halfen meistens mit, die vielen Gäste zu bewirten. Großen Anklang fanden die von Hans Stemper sen. verfassten „Schwowegsätzle“, welche von dem Vortänzer und dem Nachtänzer in schwäbischer Mundart vorgetragen wurden.

Die Vortänzerpaare ab 1968 waren:

  • Josef und Elisabeth Kirsch (1968)
  • Walter und Katharina Tomann (1969)
  • Johann und Anna Stemper (1970)
  • Jakob und Theresia Arenz (1971)
  • Johann und Josefa Heich (1972)
  • Thomas und Hilde Ramp (1973)
  • Stefan und Marianne Mlynarzek (1974)
  • Leonhard und Anna Serweny (1975)
  • Peter und Gertrude Klein (1976)
  • Johann und Helena Jobb (1977)
  • Christian und Erna Rausch (1978)
  • Erwin und Magdalene Gorjup (1979)
  • Peter und Barbara Mayer (1980)
  • Johann und Katharina Frey (1981)
  • Johann und Renate Jung (1982)

Im Jahr 1978 begleitete der Süddeutsche Rundfunk Stuttgart aus der Bundesrepublik den Trachtenzug sowie das Mercydorfer Faschingstreiben mit „Hänsel und Gretel“ und die Faschingsgarde und strahlte dazu unter dem Titel „Bericht Sanktandres-Banat und Siebenbürgen“ einen Auszug von diesen beiden Veranstaltungen aus. In unserem geschützten Bereich unter Foto/Audio/Video ist dieser Ausschnitt unter „1978 Fasching und Schwabenball” zu sehen.

Im Jahr 1979 veranstaltete auch die Sanktandreser Jugend ein Trachtenfest. Die Jugendkapelle begleitete diese Trachtengruppe, angeführt von dem Vortänzerpaar Monika Till und Walter Lang.

Nachdem die Anzahl der Deutschen aus Andres in den 80-er Jahren ständig gesunken ist und somit nicht mehr viele Paare teilnahmen, wurden im Jahre 1986 nach einer mehrjährigen Unterbrechung der Veranstaltungsreihe nicht nur Verheiratete, sondern auch Ledige als Trachtenträger zugelassen. An der Spitze des letzten Trachtenzuges standen Mathias und Renate Heffler.

Da die kulturellen Aktivitäten der Deutschen einem Teil der parteigesinnten (RKP) rumänischen Bevölkerung immer ein Dorn im Auge waren, wurde gegen die Veranstaltung Anzeige erstattet und es gab danach Vernehmungen von Seiten der Securitate. Die Veranstalter mussten sogar in der Temeswarer Parteizentrale Stellung nehmen. Somit endete das schöne und erfolgreiche Kapitel Andreser Schwoweball mit einem faden Beigeschmack und 1986 fiel der letzte Vorhang dazu.

Nicht zu vergessen! Die Sanktandreser Lehrerschaft war stets bemüht, diese Zeit von Frohsinn und Geselligkeit hochleben zu lassen. So fanden alljährlich Masken- und Trachtenbälle der Schüler statt. Diese Art von Veranstaltungen genossen Kinder und derer Eltern sonntags Nachmittag im Kulturheim. Auch hier prämierte man die schönsten Masken- bzw. Trachtenpaare.

Im Jahr 1974 wurde das „Pingelball“ ins Leben gerufen. Lehrer Frank organisierte die alljährliche Unterhaltung für alle „Beigeloffenen“ oder „Beigelockte“. Die „beigebrungene Familien“ brachten ihren mit vielen „schwowische“ Delikatessen gut gefüllten „Brotsack“ mit, der unter guter Stimmung, mit viel Musik unter den zusätzlich eingeladenen Gästen wohlwollend verspeist wurde. 

Am Aschermittwoch war alles vorbei. Dieser Mittwoch leitete die Fastenzeit ein. Der Priester zeichnete den Gläubigen das Aschenkreuz auf die Stirn. Dieser Ablauf sollte nach so viel Ausgelassenheit zur Besinnlichkeit mahnen. Ab jetzt war die Fastenzeit in Anmarsch, die mit Enthaltsamkeit (Verbot von Tanzveranstaltungen, Einhaltung guter Vorsätze usw.) und ins besonders mit einer strikten fleischlosen Kost an Aschermittwoch und am Karfreitag gekennzeichnet war.

Text- und Bildbeiträge: J. Stemper sen. und jun., H. Janzer, W. Lang, M. Noll, K. Maiterth. Für das zugesandte Material herzlichen Dank.