Musikwoche Löwenstein 2026

Chor- und Orchesterkonzert in Heilbronn

Musik deutscher Komponisten aus Südosteuropa


Im Rahmen der 40. Musikwoche Löwenstein fand am 11. April in der Kilianskirche (s. Foto) in Heilbronn ein Abschlusskonzert statt.

An der Musikwoche nehmen jährlich bis zu 150 begeisterte Laienmusikerinnen und Laienmusiker allen Alters teil. Die Musikwoche wird von der Gesellschaft für deutsche Musikkultur im Südöstlichen Europa e. V. getragen.
Es handelt sich um eine reiche Musikkultur, vor allem aus dem Banat und aus Siebenbürgen.

(Fotos und Videos: Hans Janzer)

Auftritt Jugendchor

Zu Beginn des Konzertabends trat der Jugendchor der Musikwoche Löwenstein unter der Leitung von Markus Piringer auf. “Alles, was ging, ist nicht verloren” von Ernst Irtel machte den Auftakt. Er war ein siebenbürgischer Schulmusiker und einer der wichtigsten Musikpädagogen und Chorleiter in Siebenbürgen. Erlebte zwischen 1917 und 2003.
Zu den wichtigsten siebenbürgischen Komponisten der Gegenwart zählt Hans Peter Türk (*1940). Er lebt heute in Hermannstadt. Zur Aufführung in der Kilianskirche kam sein Werk “Christus spricht: Ich war tot”. Das dritte Lied, das der Jugendchor vortrug, hieß “Abendfriede op. 52 Nr. 5” von Josef Gabriel Rheinberger (1939-1901).
Mit einem kräftigen Applaus honorierte das Publikum – mehr als 300 Anwesende – den Jugendchor der Musikwoche, die in der Evangelischen Tagungsstätte Löwenstein nahe Weinsberg eine Woche fleißig probte.

Jugendchor unter der Leitung von M. Piringer

Die Alpenhütte” von Franz Limmer

Der Kapellmeister Franz Limmer (*1808 in Wien †1857 in Temeswar) komponierte für die Temeswarer Bühne die Oper “Die Alpenhütte”. Aus diesem 1845 uraufgeführten Werk war in der Kilianskirche die Ouvertüre zur Oper zu hören.
Das Material der Oper ging verloren, erhalten blieb eine Bearbeitung der Ouvertüre für Klavier zu vier Händen von Ludwig von Gyika. Zu hören war die Ouvertüre in einer Orchestrierung von Dr. Andreas Schein. Der derzeit sehr beliebte Temeswarer Künstler A. Schein (*1997) stand am Dirigentenpult. Er ist seit 2023 Dirigent der Musikwoche Löwenstein. Er wurde mit der Dissertation “Das Opern- und Operettenschaffen deutscher Komponisten aus dem Banat 1850-1950” promoviert.

Unter Dr. Andreas Scheins Leitung war die “Rumänische Fantasie Nr. 3 für großes Orchester” von Paul Richter (1875-1950) zu hören. Richter war Kronstädter, studierte an der Musikhochschule in Leipzig und wurde anschließend Chormeister des Kronstädter Männergesangsvereins und später Musikdirektor. 1928 wählte man ihn zum Generalmusikdirektor. Seine gute Bekanntschaft mit dem rumänischen Komponisten Enescu führte zu einem großen Interesse an der rumänischen Volksmusik. So entstand danach sein Werk mit den “3 Rumänischen Fantasien”.

Da Rudolf Lassel, in Kronstadt geboren, ein Verehrer von Johann Sebastian Bach war, kann man seine unvollendete Matthäus-Passion op. 23 deutlich ablesen. Die Vertonung des Psalms 42 “Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser” op. 26 ist als Eingangschor zum 2. Teil dieser Passion 1900 entstanden. “Die Leidensgeschichte unseres Herrn” für Chor und Orchester wurde unter der Leitung von Andres Kulin aufgeführt. Sie ist gebürtige Kronstädterin, A-Kirchenmusikerin, seit vielen Jahren Leiterin der renommierten Siebenbürgerischen Katorei sowie Kantorin an der Kilianskirche in Bissingen an der Enz.


“Ave Verum Corpus”, Motette von Mozart

Wir feiern dieses Jahr den 270. Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart. Zu hören war deshalb in der Heilbronner Kirche “Ave Verum Corpus”, eine Motette in D-Dur für Chor und Orchester. Es dirigierte Dr. Andreas Schein. “Ave Verum Corpus” entstand Mitte 1791 während der Arbeiten an der Zauberflöte und ein halbes Jahr vor dem frühen Tod des Komponisten.

Festmesse in C” von Vincens Maschek (*um 1800 †1875)

Maschek stammte aus Böhmen, ließ sich etwa 1840 im Banat nieder und wirkte als Musiklehrer in Weißkirchen (heute Serbien), in Ruskberg und in Temeswar. Eine Missa Solemnis widmete Vincens Machek dem Kaiser Franz Josef I., eine Sammlung mit rumänischen Volksweisen aus dem Banater Bergland der Kaiserin Elisabeth in Wien und eine weitere Missa Solemnis dem König von Sachsen. Die “Festmesse in C” kam in der Kilianskirche zur Aufführung, bearbeitet und eingerichtet vom Banater Dirigenten Andreas Schein (Edition Musik Südost 2026, Hrsg. Dr. Franz Metz).
Die Solisten: Agnes Dasch (Sopran), Bettina Ullrich (Alt), Hans Straub (Tenor) und Johannes Dasch (Bariton).

Auch in diesem Jahr kam das Publikum in der Heilbronner Kilianskirche voll und ganz in den Genuss eines wunderbaren Konzertes.
Weit über 100 Werke, die in den vergangenen Jahrzehnten in Archiven ausgegraben, für die Praxis eingerichtet und während der Musikwoche aufgeführt wurden, machen deutlich, dass es sich lohnt, diese Musik auch weiterhin zu entdecken.

Quelle: Aus Texte von Johannes Killyen, Dr. Anreas Schein, Edition Musik Südost (Dr. Franz Metz).

Schreiben Sie einen Kommentar

77 + = 81
Powered by MathCaptcha