
Noch bis zum 6. November 2026 kann man die Sanktandreser Ausstellung ,,110 Jahre Luftfahrtgeschichte im Banat“ besichtigen.
Unter dem Motto ,,Zeppeline in Temeswar“ fand hierzu am 29. Oktober die Eröffnung der Ausstellung statt.
Bereits am Nachmittag eines goldenen Herbsttages versammelten sich Mitglieder des Vereins der Förderer des Hauses zu einem angekündigten Stammtisch. Somit hatte ich im Vorfeld der Abendveranstaltung die Gelegenheit, einleitende Worte zu diesem Thema zu erzählen. Auf Anhieb konnte man im Gasthaus ,,Bohemia“, das ,,Zum alten Bezirksamt“, also im HDO, Am Lilienberg 5, untergebracht ist, die Bedeutung der Zeppeline erkennen. An den Fenstern des Lokals sowie in den Ausstellungsräumen waren die Fenster mit Zeppelinballonen dekoriert. Die ausgestellten Plakate in und um das Haus wiesen auf die Zeppelingeschichte in Temeswar im Banat hin. Banater Kulinarik wie ,,Banater Kipfle“, Banater Wurst, ,,Zacusca“ (Gemüseaufstrich) und ,,Vinetesalat“ (Auberginenaufstrich) wurden den Gästen reichlich angeboten.



Eröffnung der Ausstellung



Am Abend in einem gut besuchten Vortragsraum – die Plätze waren nämlich alle belegt – eröffnete Prof. Dr. Andreas Otto Weber, Direktor des Hauses des Deutschen Ostens, die Veranstaltung. Er begrüßte auch Dr. Roland Borchers vom Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung, der zum ersten Mal im HDO anwesend war. Dr. des. Michael Nusser, Referent/Leiter des Banater Kulturwerks, war auch zugegen. Unter den zahlreich erschienenen Gästen zeigten sich auch Vorstandsmitglieder des Fördervereins: Christa Wandschneider und Renate Beck-Hartmann.
Prof. Weber schwärmte von der Faszination der majestätisch gleitenden Luftschiffe. ,,Die Geschichte der Luftfahrt mit Zeppelinen ist faszinierend“, behauptete er sehr überzeugend und setzte fort: ,,Sie ist geprägt von Erfindergeist und Kühnheit, Erfolgen und Katastrophen.“
Sodann dankte er Johann Janzer, dem Vorsitzenden der Heimatortsgemeinschaft Sanktandres, und Dr. Jörg Biber, dem Autor des Buches ,,Luftschiffe über dem Balkan 1915 bis 1918″, für die Erarbeitung der Wanderausstellung ,,110 Jahre Luftfahrtgeschichte im Banat“.

Peter-Dietmar Leber, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben, sprach das Grußwort.
Es haben sich zwei Personen gesehen und gefunden, meinte der Vorsitzende, also ,,g’siehn un g’fun uff schwowisch“, fügte er hinzu, und sie machten etwas daraus. Er lobte das Engagement der beiden Autoren der Ausstellung und wies auf das entstandene Projekt hin.
Diese Banater Geschichte ist einzigartig. Zwei Luftschiffer vom LT 14 heirateten Sanktandreser Frauen. Vielleicht sollte man auch den Werdegang dieser Beziehungen näher durchleuchten, riet der Bundesvorsitzende.

Johann Janzer erzählte von seinen Kindheitserinnerungen auf dem stillgelegten Flugplatz. Er erklärte, warum der Acker vor der Sanktandreser Einfahrt für diesen Luftschiffhafen auserwählt wurde. Er berichtete vom Aufbau des Luftschiffhafens ,,Adebar“ und glorifizierte die Landung des ersten Zeppelins im Banat. Das gute Verhältnis der Luftschiffer mit den Einwohnern von Sanktandres rückte er in seine Präsentation. Nicht unerwähnt blieb die geschichtliche Aufarbeitung durch diese Aufstellung und der Aufbau einer gemeinsamen Bindung zwischen den Banater Schwaben in Deutschland und der heutigen rumänischen Bevölkerung im Ort. Und so standen die Ereignisse vom letzten Jahr in Sanktandres und Temeswar vorzüglich im Blickpunkt seines Vortrags.

Dr. Jörg Biber aus Dresden widmete sich mehr der technischen und innovativen Thematik dieser Begebenheit zwischen den Jahren 1915 und 1917. Auch die Einsätze der Luftschiffe zu der damaligen Zeit stellte er dar.
Dr. Jörg Biber forscht auch weiterhin nach neuen Erkenntnissen zu diesem Thema und wird das nächste Jahr ein weiteres Buch auf den Markt bringen.
Im Anschluss bat Prof. Dr. Weber die aufmerksamen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, in die Ausstellungsräume in das I. Stockwerk zu gehen, um die Ausstellung zu besichtigen. Die Luftfahrtgeschichte im Banat wird auf 24 Tafeln erläutert. Ein Modell des Luftschiffhafens, gefertigt von Schülerinnen und Schülern der Sanktandreser Schule, und ein Zeppelin, gebastelt von dem Sanktandreser Willi Kumbach, kann man eräugen. Dokumente zur Luftfahrtgeschichte im Banat sind ausgestellt. Die Resonanz zur Herausgabe eines Sonderstempels der rumänischen Post im Oktober 2025 ist auch ersichtlich. Ein mitgebrachtes Souvenirstück aus Curitiba (Brasilien) soll das Ansehen der Zeppeline weltweit verdeutlichen. Des Weiteren sind Begleitbroschüren zur Ausstellung in München und Bottons mit der Inschrift „111 Jahre Zeppelin im Banat 2026“ ausgelegt.




Die Ausstellung zeigte großes Interesse bei den Anwesenden. In einem persönlichen Gespräch, das ich mit Dr. Roland Borchers vor Ort führen durfte, kam eine große Wertschätzung der Ausstellung seinerseits zur Geltung. Er lobte auch das ehrenamtliche Engagement unserer Gemeinschaft. Das HDO-Team (Prof. Dr. Andreas Otto Weber, Leitung; Dr. Lilia Antipow-Altrichter und Patricia Erkenberg), Vertreter der Banater Landsmannschaft (Peter-Dietmar Leber, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben und Harald Schlapansky, Landesvorsitzender der Banater Schwaben in Bayern), Vertreter Siebenbürgischer Vereine (Wilhelm Werner Kloos, stellvertretender Bundesvorsitzender des Verbandes der Siebenbürger Sachsen und Manfred Binder, Vorsitzender des Landesverbandes der Siebenbürger Sachsen in Bayern) und nicht zuletzt die vielen angereisten Sanktandreser Landsleute, bestaunte die Geschichte der Luftschifffahrt im Banat.

Johann Janzer, Dr. Lilia Antipow-Altrichter, Dr. Jörg Biber

Werner Kloos, Johann Janzer, Manfred Binder, Harald Schlapansky
Das Ausstellungsplakat „Zeppeline in Temeswar“ wurde vom HDO München gestaltet und ausgestellt.
Das Bildmaterial stammt von Dr. Lilia Antipow-Altrichter, Elisabeth Mezger und Johann Janzer.
Ein von Herzen kommendes DANKESCHÖN!
Ich möchte mich nochmals bei der Leitung des Hauses des Deutschen Ostens für das Ermöglichen dieser Ausstellung und für die Aufarbeitung einer fast vergessenen Banater Geschichte ganz herzlich bedanken.
Eine derartige Veranstaltung ist nur machbar, wenn Unterstützung da ist. Und die habe ich reichlich bekommen. Dr. Lilia Antipow-Altrichter und Patricia Erkenberg vom HDO standen mir stets mit Beratungsvorschlägen zur Seite. Beim Aufbau der Ausstellung erhielt ich große Hilfe von Juliane Wolf, Peter Klein, Hans Noll, Lissy und Jürgen Mezger. Die Beschriftung fertigte Stefanie Bach (HDO).
Für die Förderung dieses Projektes sei dem Kulturwerk Banater Schwaben in Bayern herzlich gedankt.
Viele Sanktandreser Landsleute brachten leckere Banater „Kipfle“ zur Veranstaltung mit.
Allen vielen Dank!
Nach der Ausstellungseröffnung, nach der Besichtigung wurde an den 2. November 1915 erinnert. Fast genau auf dem Tag vor 111 Jahren landete der erste Zeppelin vor der Sanktandreser Ortseinfahrt. Anschließend servierte die Sanktandreser Gemeinschaft im Wirtshaus ,,Rausch“ den Besatzungsmitgliedern ,,Paprikasch“ (Gulasch) und Wein aus dem Banat – Bakowaer Wein. Heute luden die Sanktandreser alle Anwesenden im Gasthaus ,,Bohemia“ zu einem Gulaschessen und Bakowaer Wein, den ich unlängst aus dem Banat hierfür mitbrachte. Nebenbei servierten wir Nuss- und Mohnstrudel, der das Luftschiffformat LZ 81 darstellte.

Nach so einem Tag fiel uns Andreser und Banater Landsleuten der Abschied schwer.
Wenn Geschichte die Gemeinschaft bindet.