Klassentreffen mal anders

Es ist mir gelungen, zwölf Kameradinnen und Kameraden des Jahrganges 1955 vor die Bildschirme zu locken. Teilweise lauschten auch die Partnerinnen und Partner der Gesellschaft.
Vor zwei Wochen absolvierte ich einige Telefonate, denn ich trommelte Kolleginnen und Kollegen zusammen, die ich teilweise seit 40 Jahren nicht mehr sah. Seit der Emigration in den 80er-Jahren nach Deutschland ist es schon lange her; und seit dem letzten gemeinsamen Schulbankdrücken im Jahre 1970 sind mittlerweile schon mehr als 51 Jahre verstrichen. Einige Telefonnummer konnte ich leider nicht mehr ausfindig machen. Anschließend schrieb ich die Bereitwilligen alle an. Rückmeldungen wie „die Freude ist groß und ich bin sehr neugierig auf die Kameraden“ oder „ich freue mich auf das Treffen, ich denke, es werden einige Erinnerungen wach, … ich bin quasi schon in den Startlöchern und gespannt, wer da mitmacht“ ermunterten mich zusätzlich für mein angepeiltes Vorhaben.

Am Sonntagabend, dem 21.11.2021 um 18 Uhr loggten die Teilnehmer sich der Reihe nach ein. Das Tool vermittelte der Sanktandreser HOG-Vorstand. Heidrun Till, unsere Webadministratorin war zur Stelle, um ja alle angekündigten einstigen Schulkollegen mit ins Boot zu nehmen. Und siehe da: tatsächlich haben einige Damen und Herren sich beim ersten Anblick nicht mehr erkannt. Wir sind eben älter geworden, aber der Humor und die Erzählbereitschaft sind nach wie vor vorhanden. Vorstellen musste sich gewiss niemand. Die Namen waren nämlich im Meetings-Bild eingeblendet und verrieten dadurch die Anwesenden: Anneliese Heib (*Klein), Anneliese Lay (*Noll), Ewald Steinbrunn, Maria Herbei, Gerlinde Halmer (*Gorjup), Alfred Helfenbein, Johann Janzer, Johann Schulz, Heinrich Weber, Magdalena Mutsch (*Klein), Heinrich Thernes und Katharina Schulz (*Zimmer) – übrigens nicht auf dem Bild.

Zunächst erläuterte ich der Sinn eines Jahrgangstreffens, wenn es diesmal auch nur virtuell war. Im Anschluss versuchte ich in einem Willkommensgruß alphabetisch und reimend alle Klassenkameradinnen und Klassenkameraden des Jahrgangs 1955, die in Sanktandres die Schule besuchten, aufzulisten. Acht Kolleginnen und Kollegen vermissten wir. Christian Billinger, Juliane Helfenbein (geborene Kirsch), Nikolaus Kesselgruber, Walter Kesselgruber, Anton Majorschi, Barbara Mayer (geborene Bisch), Johann Reiter und Mariechen Tillinger  hat der Tod viel zu früh aus unserer Mitte gerissen. Für die Verstorbenen legten wir eine Schweigeminute ein. Bedauerlicherweise erfuhren wir von Linde, die Tochter von Rudolf Gorjup, dass ihr Vater nach 100 Jahren – er war der älteste Andreser, der im April ganz groß dieses Jubiläum noch feiern durfte, am 20. November plötzlich verstorben ist.
Jeder Teilnehmer erzählte von seinem eigenen durchschrittenen Leben. Die Höhen und Tiefen jedes Einzelnen kamen zur Aussprache. Die Schulzeit wurde ohne langes Überlegen aufgearbeitet. Der bereitgestellte Sekt und das bereitwillige Anstoßen diente unserem Verdienst in unserem durchschrittenen Leben, aber auch einem Vorausschauen in der nun angebrochenen Zeit – sind wir doch alle schon mit 66 Jahren in dem wohlverdienten Ruhestand – zu ermutigen. Wir stellten fest, dass Udo Jürgens Slogan „mit 66 Jahren fängst das Leben an“ ein hervorragender Ansporn für das weitere Leben ist.
Die Zeit verging wie im Fluge. Zufriedene Gesichter blickten in die Runde. Nach einem erfreulichen Wiedersehen und nach drei Stunden Plaudern entschlossen wir – weil es so schön war – uns im Frühling nächsten Jahres erneut wieder zu sehen. So trotzte der Jahrgang 1955 der Sanktandreser Schule dem unnachgiebigen Virus Corona im November 2021.

Schreibe einen Kommentar