Nach den vielen Eindrücken des Vortages starteten wir am Freitag erneut am Kulturzentrum. Unser Programm führte uns weiter durch die Geschichte, die Traditionen und das heutige Leben der Donauschwaben in Entre Rios.
Stefan Jäger – ein Stück donauschwäbische Heimat
Unser erster Programmpunkt war die Besichtigung der Stefan-Jäger-Ausstellung. Der bekannte Banater Maler hielt in seinen Werken das Leben, die Bräuche und die Geschichte der Donauschwaben fest. Seine Bilder erzählen von der alten Heimat, vom bäuerlichen Alltag, von Festen und Traditionen – und bewahren damit ein wertvolles Stück Kulturerbe.
Anschließend blieb noch Zeit für einen Besuch im Souvenirshop, wo wir nach Erinnerungsstücken an unseren Aufenthalt stöbern konnten.
Schwäbische Leckereien mitten in Brasilien
Danach legten wir eine gemütliche Kaffeepause ein. Und was gab es dort? Schwowische Kipfle, Salzstangle, Dobosch-Torten und weitere Leckereien, die vielen von uns vertraut vorkamen.
Da fühlten wir uns doch gleich wieder ein Stück weit wie zu Hause!







Entre Rios heute – mehr als Geschichte und Tradition
Anschließend ging es auf Rundfahrt durch die fünf Dörfer von Entre Rios. Ein besonderer Halt war das Freizeitzentrum. Mit seinen Badeseen, Schwimmbecken, der Kegelbahn, Grillmöglichkeiten und sogar einem Wasserfall bietet es zahlreiche Möglichkeiten für Erholung und gemeinschaftliche Aktivitäten.
Hier wurde deutlich, dass in Entre Rios nicht nur gearbeitet und die Tradition gepflegt wird. Auch Freizeit, Sport und das gesellige Miteinander haben ihren festen Platz im Leben der Gemeinschaft.








Nach dem Mittagessen besuchten wir Projeção, ein Projekt des Frauenbundes, das Kinder aus sozial schwächeren brasilianischen Familien unterstützt. Die Kinder kommen nach ihrem regulären Schulunterricht hierher und werden am Nachmittag betreut. Dabei geht es nicht nur darum, die Zeit sinnvoll zu gestalten, sondern auch darum, neue Fähigkeiten zu entdecken und eigene Interessen zu entwickeln. Dafür gibt es verschiedene Arbeitsgemeinschaften: Die Kinder können basteln, kochen, sich mit IT beschäftigen oder Judo betreiben und vieles mehr.







Freitagabend – Ein unvergesslicher Schwabenball mit Fischessen
Am Abend wartete bereits das nächste große Highlight auf uns: der Schwabenball mit traditionellem Fischessen im Veranstaltungszentrum Agraria. Für dieses besondere Ereignis warfen wir uns alle ordentlich in Schale! Manche Damen hatten sich eigens dafür ein Dirndl oder ein Trachtenkleid zugelegt, während die Männer in ihre „schwowische Leiwle“ schlüpften.
So festlich herausgeputzt betraten wir den Eingangsbereich der Halle – und staunten nicht schlecht: Hier wurde tatsächlich noch einmal ausdrücklich auf den Dresscode hingewiesen! Schon am Tag zuvor hatten uns Viviane und Robi darüber informiert, dass man mit Turnschuhen keinen Einlass in die Festhalle bekam. Dankenswerterweise hatten die beiden vorgesorgt und einigen von uns kurzerhand mit „anständigen“ Schuhen ausgeholfen. So stand unserem festlichen Auftritt nichts mehr im Wege!
Und dann betraten wir die Festhalle: Wow – was für ein Anblick! Die Halle war aufs Feinste geschmückt. Überall gab es liebevoll gestaltete Essensstände, Bierstände und dazu deutsche Blasmusik, die sofort für die richtige Stimmung sorgte. Man wusste kaum, wohin man zuerst schauen sollte.
Dennis hatte noch einen besonderen Tipp für uns: Wir sollten unbedingt den Grillpavillon besuchen. Was uns dort erwartete, hatten wir noch nie gesehen! Rund 5.000 Fische wurden gleichzeitig gegrillt und anschließend nahezu zeitgleich serviert. Ein beeindruckendes Schauspiel, das wir so schnell nicht vergessen würden. Und das Beste daran: Die Fische schmeckten köstlich!








Nach dem Essen gehörte die Bühne den Tanzgruppen. Und was wir dann zu sehen bekamen, war einfach wunderschön: So viele junge Menschen, die mit Begeisterung deutsche Volkstänze aufführten! Es war ein herrlicher Anblick und zugleich beeindruckend zu erleben, mit wie viel Fleiß, Können und Freude die Tänzerinnen und Tänzer ihre Auftritte einstudiert hatten.
Für eine besondere Überraschung sorgten eine Tanzgruppe und eine Blasmusikgruppe, die eigens aus Paraguay angereist waren. Auch das zeigte, wie weit die deutsche Kultur über die Grenzen von Entre Rios hinaus Menschen verbindet.
Ein Höhepunkt war für uns der Bändertanz. Was zunächst wie ein heilloses Durcheinander aussah, bei dem sich die Bänder scheinbar hoffnungslos miteinander verhedderten, entpuppte sich als raffiniert einstudierte Choreografie. Nach und nach entstand aus dem vermeintlichen Chaos ein kunstvolles Muster – und am Ende löste sich alles wieder in Wohlgefallen auf.
Nach den vielen beeindruckenden Tanzvorführungen war es endlich Zeit, selbst das Tanzbein zu schwingen. Die Braububen spielten zum Tanz auf und hatten jede Menge altbekannte deutsche Schlager aus unserer Jugend im Gepäck. Da hielt es auch uns nicht mehr auf den Stühlen! Es wurde mitgesungen, gelacht und kräftig getanzt. Für einen Moment fühlten wir uns in frühere Zeiten zurückversetzt – nur eben mitten in Brasilien.
Doch damit war der Abend noch lange nicht zu Ende. Der letzte Höhepunkt des Schwabenballs – oder besser gesagt: der Nacht, denn inzwischen war es bereits nach Mitternacht – stand noch bevor: die Zollertaler Schürzenjäger waren eigens für das große Fest im Jubiläumsjahr aus Österreich eingeflogen worden.
Was für eine Gelegenheit! So kamen auch wir in den Genuss, diese Musiker einmal live zu erleben und zu ihrer Musik das Tanzbein zu schwingen. Die Stimmung war großartig, und obwohl hinter uns schon ein langer und ereignisreicher Tag lag, ließen wir uns dieses Erlebnis natürlich nicht entgehen.

So wurde aus dem Schwabenball eine lange, fröhliche Nacht voller Musik, Tanz und unvergesslicher Begegnungen. Ein Fest, das uns noch lange in Erinnerung bleiben wird – und ein weiterer Beweis dafür, dass man in Entre Rios nicht nur weiß, wie man Traditionen bewahrt, sondern auch, wie man richtig feiert!
