
“Im Luftschiff fliegt man nicht, fährt man nicht, sondern reist in der schönsten Art, die man mit dem Worte Reisen verbindet.”
Ein Zitat von Hugo Eckener (*10.8.1868 in Flensburg †14.8.1954 in Friedrichshafen). Er war der Nachfolger von Ferdinand Graf von Zeppelin. Unter seiner Leitung entstanden unter anderem die Luftschiffe LZ 126/ZR-3 USS “Los Angeles”, LZ 127 “Graf Zeppelin”, LZ “Hindenburg und LZ 130 “Graf Zeppelin”.
Eine Gruppe von Sanktandreser Landsleuten nahm sich vor, am 8. Mai 2026 als Fluggäste der Deutschen Zeppelin-Reederei eine besondere Art eines Flugereignisses zu genießen. Ein 60-minütiger Zeppelin-Rundflug über den Bodensee war geplant. Natürlich war die Begeisterung nicht nur bei den angemeldeten aktiv Fliegenden groß, sondern auch gleich mehrere “schwowische” Zaungäste haben sich bereit erklärt, diesem Spektakel beizuwohnen.
Und nicht nur das: Die Andreser Landsleute wollten unbedingt auch dem Zeppelin-Museum in der Friedrichshafener Innenstadt einen Besuch abstatten. Auch das hatte seinen Grund. Sanktandres ist in die Zeppelin-History mit eingebunden.
Somit stand dem angepeilten Sanktandreser Zeppelin-Tag nichts mehr im Wege.
Wie alles begann
Im Jahr 1915 wurde vor der Sanktandreser Ortseinfahrt ein Luftschiffhafen errichtet. Im Herbst landete das Luftschiff LZ 81 zum ersten Mal im Banat und wurde mit großer Begeisterung von den Dorfbewohnern damals empfangen. Ein “Riesenvogel” schwebte am Banater Himmel. Der Luftschifftrupp LT 14 agierte knappe drei Jahre auf dem Luftschiffhafen mit dem Tarnnamen Adebar. Zeppeline stiegen am Sanktandreser Dorfrand immer wieder auf.

(Foto: Sammlung Biber)
Viele Jahrzehnte mussten verstreichen, bis eine fast vergessene Geschichte wieder einen historischen Stellenwert gefunden hat. Der Sohn von Paul Biber, Dr. Jörg Biber aus Dresden, stieß auf enormes, hochinteressantes Dokumentationsmaterial aus jener Zeit, denn Paul Biber war auf dem Sanktandreser “Hottar” als Feinmechaniker mit vielen Aufgaben tätig und hinterließ zahlreiche einmalige Fotos und Notizen.
Dr. Jörg Biber veröffentlichte zwei Bücher zu dem Thema der Banater Luftfahrtgeschichte.
Das Deutsche Forum im Banat war im Jahr 2025 der Herausgeber eines besonderen Kalenders zu diesem Ereignis.
Es folgte eine erfolgreiche Ausstellung in Temeswar und Sanktandres. Man feierte 110 Jahre Luftschifffahrt im Banat.
Eine Gruppe von Banater Schwaben wohnte dem Musical “Zeppelin” im Festspielhaus von Füssen bei.
Die Mitglieder des Sanktandreser HOG-Vorstands sowie die singAndreser (Chor ehemaliger Sanktandreser) überreichten dem Vorsitzenden der Heimatortsgemeinschaft und der Leiterin der Sanktandreser Singgruppe je einen Gutschein “Erlebnis Zeppelin-Flug”, wofür wir uns beide nochmals ganz herzlich bedanken möchten. Nun wollte man die Gutscheine einlösen und bestimmte den 8. Mai als Ereignistag. An diesem Tag waren weitere 10 Landsleute am Bodensee zugegen.
Zeppelin Impressionen
Weiß-blauer Himmel bedeckte an diesem Freitag im Wonnemonat Mai vermutlich den schönsten Landstrich Baden-Württembergs. Am Vormittag dieses Tages sprach man vor dem Eingang zum Zeppelin-Hangar FN in der Messestraße von Friedrichshafen viel “schwowisch”. Die Tageshektik war vergessen und alle wollten sich vom majestätischen Dahingleiten als Flugpassagier oder auch als Zuschauer faszinieren lassen.
Der Zeppelin NT mit seiner hochmodernen Luftschifftechnik

Der Glaube an eine Wiedergeburt des Giganten der Lüfte in Friedrichshafen ging nach dem Ende der historischen Zeppelin-Ära im Jahr 1940 nie verloren. Im Jahr 1991 entstand der Versuch, einen neuen Zeppelin mit dem Grundkonzept der starren Innenstruktur und der daran befestigten Schwenkpropeller zu bauen. Der Jungfernflug, definiert mit Zeppelin NT (Zeppelin Neue Technologie), wurde im Jahr 1997 vorgezeigt. Wie schön, dass es am Bodensee immer noch Visionäre im Geiste Graf Zeppelins gibt. Sein Motto: “Man muss nur wollen und daran glauben, dann wird es gelingen.” Der moderne Zeppelin NT gehört zur neuesten Generation der Luftschiffe und wird von der Firma Zeppelin Luftschifftechnik GmbH in Friedrichshafen gebaut. Somit kehrte der Zeppelin symbolisch an seinen Ursprungsort zurück. Nach mehr als 120 Jahren nach dem ersten Flug des LZ 1 schwebt wieder ein Zeppelin über den See. Ein Stück Bodensee am Himmel.
Eine berechtigte Frage wurde von den Sanktandreser Fahrgästen an den Informanten vor Ort gestellt: Fahren wir heute oder fliegen wir mit dem Zeppelin? Nun wissen wir es. Mit dem Zeppelin NT wird geflogen! Traditionell sagt man bei Luftschiffen, dass sie fahren, weil sie leichter als Luft sind. Der moderne Zeppelin NT startet jedoch leicht schwerer als Luft und nutzt seine Motoren, um zusätzlichen Auftrieb zu erzeugen.
In die Lüfte erheben und über den Bodensee gleiten
Ein Kleinbus brachte uns auf den Flugplatz. Wir standen plötzlich auf einem betonierten Kreisplatz, umzingelt von frischem Gras. Die Frühlingssonne, die einem grellen Lichtstrahl ähnelte, hielt uns im Visier. Wie Stars im Rampenlicht äugten wir zum ankommenden Luftgiganten. Die Zaungäste neben dem Hangar schauten uns zu. Einige Männer vom Flugpersonal nahmen Messungen, zum Beispiel die Windrichtung und die Stärke des Windes, vor. Der Reihe nach durften wir in die Gondel steigen. Eine nette Flugbegleiterin hat uns begrüßt. Der Flug kann beginnen.
“Schönheit ist ein offener Empfehlungsbrief, der die Herzen im voraus für uns gewinnt.”
Arthur Schoppenhauer
(*1788 †1860)
deutscher Philosoph
Wir genossen eine unvergessliche Reise über den Westteil des Bodensees. Wir flogen an der Startbahn entlang und blickten auf Friedrichshafen mit dem Wahrzeichen der Stadt: der Schlosskirche. Auch das weltberühmte Zeppelin-Museum befindet sich an der Uferpromenade. Deutlich zu erkennen ist Romanshorn in der Schweiz. Die Bodensee-Weinregion mit ihren geraden Rebenspalieren verdeutlicht die präzise Arbeit der Winzer. Der nächste Ort ist Hagnau mit der ältesten Winzergenossenschaft Badens. Gut zu sehen war die Geburtsstadt des Grafen von Zeppelin: Konstanz. Wir kreuzten den Überlinger See und erreichten die Blumeninsel Mainau mit dem Barockschloss und den wunderschönen Parkanlagen.
Dann steuerte der Pilot die Rückfahrt an. Als die Messehallen zum Vorschein kamen, konnte man das Landeareal mit dem Hangar, wo 3 Zeppeline ein- und aushallen können, erkennen.
Die Fotos und Videos stammen von Elisabeth und Jürgen Mezger, Juliane Wolf, Barbara und Werner Hehn, Heidrun Till und Johann Janzer.

Wieder Boden unter den Füßen
Nach genau einer Stunde seit dem Abflug sind wir mit einem Traumerlebnis glücklich gelandet. Uns wurden Urkunden mit einer Signatur des Piloten M. Krug überreicht. Dieses Zeugnis dient für eine bleibende Erinnerung. Vielleicht gibt es irgendwann ein Wiedersehen.
Uns allen wurde klar, dass die Erfindung vom menschlichen Fliegen einen hohen Stellenwert für die Menschheit auf Erden einnimmt. Johann Wolfgang von Goethes Aussage im Jahr 1784 kommt wirklich nicht von ungefähr: “Das Luftschiff zu erfinden und in himmlische Bezirke hochsteigen zu lassen, beladen mit lebenden Passagieren, mit eiligen Postsachen und allerlei Bagage, dies ist schlechthin die Krönung der exakten Wissenschaft und ist wahrscheinlich ein Markstein in der Geschichte der Menschheit.” Deshalb wollten wir schon von dieser Errungenschaft mehr erfahren.
Die Zeppelin-Geschichte
Wo kann es noch mehr Geschichte vom Luftschiff Zeppelin geben als im Zeppelin-Museum in Friedrichshafen?

Für den Nachmittag hatten wir eine Führung im Museum gebucht, um noch mehr Einblick in diese Flugmaterie zu bekommen.
Dabei hatte ich erneut die Gelegenheit, im Vorfeld unserer Museumsbesichtigung Jürgen Bleibler, dem Leiter der Institution, zu begegnen. Er stand mir im Anfangsstadium der Ausstellung “110 Jahre Luftschifffahrt im Banat” mit Ratschlägen zur Seite.
Beim Start der Zeppelin-Tour wies Frau Giorgetta auf zwei Bilder hin. Auf dem ersten Bild wird der ruhmvolle Anfang mit einem Blick voller Hoffnung der LZ 129 “Hindenburg” gezeigt. Die zweite Darstellung symbolisiert den Untergang dieses gigantischen Luxus-Luftschiffes.
Wir konnten den Aufbau und den Werdegang der Hindenburg im Detail nachvollziehen. Uns wurde die Konstruktionstechnik des damals äußerst modernen Luftschiffes erläutert. Wir erfuhren, dass Deutschland mit seiner LZ 130 das letzte große Starrluftschiff noch bis 1939 in Betrieb hatte. Starrluftschiffe sind Luftschiffe mit einem kompletten Skelett aus Trägern und Streben. Das Innere des Rumpfes bot relativ viel Platz für die Besatzung, Passagiere und die Nutzlast.
Auf Grund dieser mehreren innovativen Verfahren baute man in Friedrichshafen auch einzigartige Autos. Die Gebrüder Gaylord aus Chicago gaben den Bau eines Sportfahrzeugs in Auftrag, das nur einmal auf der Welt gebaut wurde (s. Foto).
Eine visionäre Reise des Luxusluftschiffes “Hindenburg” sollte uns nach Rio de Janeiro bringen. Uns wurden das Innenleben dieses Luftschiffes und die Fahrt nach Südamerika vorgezeigt und erörtert. Man höre und staune, was sich Leute der damaligen Zeit schon leisteten.
Es wurden uns viele Besonderheiten des Luftschiffwunders gezeigt. Kaum zu fassen, dass man Flugzeuge mit dem Luftschiffkoloss transportierte. Im Jahr 1929 umflog man mit dem Luftschiff zum ersten Mal die Welt.
Natürlich sprach man viel über das Leben des Luftschiffgründers Ferdinand Graf von Zeppelin. Luftschiffe von 1900 bis zum Ersten Weltkrieg 1914 waren ein Kapitel unseres Museumrundganges. Dann wurde die Zeit von 1914 bis 1918 ins Visier genommen. Dabei erwähnte Frau Giorgetta den Luftschiffstützpunkt in Sanktandres zu jener Zeit. Zum Schluss wurde die Zeit von 1918 bis heute in Betracht gezogen.
Zum “Aufruf zur Luftschifffahrt” im Jahr 1898 meinte der berühmte Graf: “Ziel meiner Bestrebungen ist der sichere Transport in der Atmosphäre, also unabhängig von Straßen jeder Art und dazu mit bisher unerreichten Geschwindigkeiten.”
Sehr zufrieden und überglücklich, diesen wunderbaren Tag erlebt zu haben, traten die Sanktandreser mit ihren eigenen Fahrzeugen auf baden-württembergischen und bayerischen Straßen ihre Heimreise an. Es ist gewiss: Das Thema Luftschiffe wird auch in nächster Zukunft uns Sanktandreser beschäftigen.

















