Wir sind es ihnen schuldig

Viele Sanktandreser werden sich noch an die Zeiten des Abschiednehmens von Mutter oder Vater, von Schwester oder Bruder, von Oma oder Ota (Opa), vielleicht auch von anderen Verwandten, ja sogar von liebgewonnen Nachbarn und nicht zuletzt von gut Bekannten im Ort erinnern. Liebe Menschen sind von uns gegangen. Nach ihrem Tod wurden sie von einer zusammengeschweißten Dorfgemeinschaft auf den “Freydhof” (Friedhof) ehrenvoll getragen (s. Beerdigungszeremonie).



Unser Friedhof in Sanktandres

Keine andere Stelle aus unserer Heimatgemeinde Sanktandres hinterlässt so viele tiefgreifende Spuren der Erinnerung wie der Gottesacker im Nordosten des Dorfes.
1784 steckte man den „Freydhof“ aus. Der katholische Friedhof lag schon damals dort, wo er heute noch zu finden ist. 1821 wurde er im bischöflichen Auftrag eingeweiht.
Im Jahre 1911 ließ  Jakob Schmidt (* 1.3.1859 †2.8.1937)  die Kapelle bauen. Sie wurde am 15. Oktober 1911 eingeweiht.
In der Mitte des Friedhofs steht ein 3 Meter hohes Kreuz, gespendet von Heinrich Steinbrunn (*24.10.1917 †15.3.1985) und dessen Ehefrau  Apollonia, geb. Ramp  (*24.10.1921 †12.3.2011). Hergestellt wurde das Kreuz vom Sanktandreser Steinmetz Heinrich Thernes (*1.7.1917 †23.7.1990).
Am Nordrand befinden sich Gräber von Helden. Im südöstlichen Teil des Friedhofs befinden sich die Gräber der Kinder.



Ehren und nicht vergessen!”

Das war die Devise unserer Landsleute. Sorgfältig wurden mehr als zwei Jahrhunderte die Gräber der Angehörigen gepflegt. Um diese Zeit – im Lenz – glich der Gottesacker einem Blumenmeer. Die meist aus weißem Marmor gefertigten Grabsteine spiegelten sich ergeben in der Frühjahrssonne. Am Abend, wenn die “kleine Glocke” vom Kirchturm für die Allerseelen bimmelte, verließen die letzten Leute mit der Gießkanne die Begräbnisstätte. Die getränkten, prächtigen, bunten Blumen auf den Gräbern symbolisierten ein Dankeschön an die Verstorbenen.
Im Abendrot, an Allerheiligen, verwandelte sich das etwas hochgelegene Gräberfeld in ein Lichtermeer. Es war der Ort aller Gläubigen. Alte und junge Menschen steckten Kerzen auf die Gräber und beteten für ihre Verstorbenen.

Der Umbruch

Die Zeit hat sich in den 80er Jahren verwandelt. Die “Schwoweleit” zog es in die Ferne. Sie suchten die Freiheit und die Eltern wollten ihren Kindern eine gesicherte Zukunft geben. Natürlich wollte man keineswegs, dass die Hinterbliebenen auf dem Friedhof in Vergessenheit geraten. Die Gräber wurden einzementiert, als wolle man die Verstorbenen vor externen Gefahren schützen. Graue Betonplatten in Überzahl trübten den Friedhofsblick.
Kehrten die ersten Besucher wieder in ihre alte Heimat, so stellten sie eine rote oder weiße Kerze auf die bereits vermooste Betonplatte.

Im Jahr 2014 hat eine Gruppe von Andreser in einer ehrenamtlicher Sonderaktion alle Grabsteine gereinigt und alle Grabstätten im Jahr 2015 in einem Buch dokumentiert. DANKE!
Sie können hier einen detaillierten Friedhofsplan entnehmen. Mit Hilfe einer Dokumentation Friedhof-Verzeichnis kann man die gesuchten Gräber finden. So gelangt man an die Grabstätten seiner Verstorbenen auch nach so vielen Jahren wieder.


Autoren: Hans Stemper, Heinrich Lay, Roland Ludwig, Barbara Hehn
Pläne: Johann Lutter sen. und Willi Noll.

„Auf die Dauer der Zeit nimmt die Seele die Farbe der Gedanken an.“

Auch nach fast 60 Jahren danach sieht man immer wieder Landsleute auf dem Friedhof. Mittlerweile ist es so, dass junge Leute, geboren in Deutschland oder Übersee mit Banater Wurzeln, nach ihren Vorfahren forschen. Und man trefft eine nicht vergessene Stätte an.
Ja, man bewundert natürlich die von unserer Heimatortsgemeinschaft neu renovierte Friedhofskapelle und die freigelegten Wege zu den Grabstätten der Angehörigen. Das Ziel des Vorstands ist die Pflege des Totenackers. Die Spenden unserer Landsleute für diesen Zweck sollen doch konkret und wahrhaftig verwendet werden. Dafür an alle Unterstützer ein HERZLICHES DANKESCHÖN!

Der Zustand des Sanktandreser Friedhofs im Frühjahr 2026


Das Video stammt vom beauftragten Mäher der HOG Sanktandres und soll als Info für all unsere Landsleute dienen.
Datum: 27. April 2026, der erste Mähvorgang in diesem Jahr.
Hierfür DANKE!

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