Mitglieder des HOG-Vorstands besuchen Sanktandres

Es ist zur Tradition geworden, dass Mitglieder des Vorstands der Heimatortsgemeinschaft Sanktandres kontinuierlich das heutige Sânandrei besuchen.
Somit finden zahlreiche Begegnungen statt und die einst emigrierten deutschen Bewohner knüpfen freundschaftliche Beziehungen zur heutigen Bevölkerung des Ortes. Das vereinte Europa macht es möglich. So sollen negative Vorurteile nun gänzlich ausgelöscht werden. Bei den alljährlichen geselligen Zusammenkünften werden immer wieder neue Eindrücke auferweckt und neue gegenseitige Beziehungen aufgebaut. Die Welt hat sich eben verändert.

Das Banat ist uns auch heute noch vertraut
Acht Personen, davon vier Vorstandsmitglieder (Barbara Hehn, Maria und Hans Noll, Hans Janzer), besuchten zwischen dem 6.5. – 13.5.2022 das Banat und natürlich auch Sanktandres. Die Unterkünfte boten sich in der schönen Landeshauptstadt Temeswar an. Bezüglich Übernachtungsmöglichkeiten hängt unser Andres etwas nach.
Wir reisten auch in einige Banater Ortschaften wie Bentschek, Schöndorf, Maria Radna, Jahrmarkt, Anina, Mercydorf und Bruckenau. Die in der Bruckenauer Ortsmitte ansässige Wasserquelle rinnt nach wie vor und war auch nach vielen Jahren für uns wieder ein köstlicher Durstlöscher.
Temeswar putzt sich für das Ereignis Kulturhauptstadt Europas 2023 heraus. Die Nikolaus Lenau Schule mit ihren international renommierten Absolventen Herta Müller und Stefan Hell ist restauriert. Die Synagoge wurde mit Unterstützung des Deutschen Forums auch saniert und am 6. Mai neu eröffnet.  

Der erste Weg führte uns zum Sanktandreser Friedhof
Unser Projekt Friedhofspflege mit den Restaurierungsvorhaben der Friedhofskapelle stand im Blickwinkel unseres Besuches in Sanktandres. Der Vorstand beauftragte eine neue Kraft zum Mähen des Friedhofareals. Es scheint, als hätten wir hierfür eine gute Lösung gefunden, zeigte sich unser Friedhof an Ostern doch in einem einwandfreien Zustand (s. Menü Aktuelle Bilder). Wir trafen uns auf dem Friedhof mit der beauftragten Arbeitskraft, besprachen unsere Anliegen und bauen nun auf eine gute Zusammenarbeit.
Nachdem wir letztes Jahr eine neue Dachrinne an der Kapelle anbringen konnten, scheint auch die Feuchtigkeit im Innern des Denkmals sich zurückzuziehen. Nichtsdestotrotz bleiben wir bei einer schrittweisen Restauration des Gebäudes. Wir hatten die Gelegenheit, ein Vertreter einer Firma vor Ort zu bestellen. Unsere Vorstellungen wurden dem Mann anhand eines Lastenheftes dargestellt. Nun warten wir auf eine Zusage für die festgelegten Arbeiten und auf eine vertragliche Einigung mit der auserwählten Firma. Ob all dies in diesem Jahr noch realisierbar ist, bleibt dahingestellt.

Mai, der Marienmonat
An einem frühlingshaften Wochentag – es war der 14. Mai 2022 – begaben sich die angereisten Andreser von Deutschland in das meist verschlossene Gotteshaus. Der Schlüssel zum Kirchentor ist in der Altgasse Hausnummer 50 vorzufinden. Erfreulicherweise konnten wir in einem kleinen Rahmen eine angenehme gemeinschaftliche Maiandacht abhalten. Man betete in mehreren Sprachen für den Frieden auf Erden und man sang wunderschöne Marienlieder, die nicht in Vergessenheit geraten sind (s. Brauchtum – Maiandacht – einst und heute, Mai 2022).

Zu Besuch im Mehalaer Pfarramt
Die Themen Friedhof und katholische Kirchengemeinde konnten wir auch mit Pfarrer Zoltan Mathe von der Mehalaer Pfarrei erörtern. Der zuständige Pfarrer beklagte die schwache Präsenz der katholischen Gläubigen in der Kirche und die Interesselosigkeit derer am Zusammenhalt der Gemeinschaft. Der Priester fühlte sich bestätigt, als ihm unsererseits der Verfall des traditionsreichen Leichenbestattungsvereins beschrieben wurde. Seit mehreren Jahren werden keine Beiträge mehr einkassiert bzw. entrichtet.
Der Pfarrer erläuterte uns die Absicht, die katholische Kirche jeden Sonntag orthodoxen Gläubigen für eine Sonntagsliturgie zur Verfügung zu stellen. Jeden zweiten Sonntag um 8 Uhr wird nach wie vor ein katholischer Gottesdienst abgehalten.
Die neuen Bestimmungen für Friedhofsgebühren/Grabmieten sind noch nicht fixiert bzw. können auch deshalb nicht in Kraft treten. Der Pfarrer betonte mehrmals, dass der Friedhof kein Museum wäre.
Der Temeswarer Bischof József-Csaba Pál besuchte im November letzten Jahres Sanktandres und war mit der Situation der Sanktandreser Filiale zufrieden, berichtete der Seelsorger. Wir bedauerten unsere Abwesenheit, verriegelten die Pandemiemaßnahmen zu dieser Zeit eine zusätzliche Reise ins Banat im Jahre 2021.
Pfarrer Mathe hob die Bereitschaft der Heimatortsgemeinschaften von Deutschland für die Pflege der Friedhöfe in seiner Parochie hervor. Auf die Anfrage, ob das Gerätehaus am Friedhofseingang, das dem Verfall sehr nahe steht, im Auftrag unseres Vereins abgerissen werden darf, stimmte der Priester eindeutig zu.
Der Geistliche war sehr erstaunt und auch etwas überrascht, als wir ihm von unserer gefeierten Maiandacht mit den christlich-katholischen Sanktandreser Ortsbewohner schilderten.

Im Sanktandreser Rathaus empfangen
Am 9. Mai folgten wir einer Einladung des Bürgermeisteramtes von Sanktandres. Wir wurden von den Bürgermeistern Claudiu Coman, Josef Minnich und von der Gemeinderätin Rodica Gürtler empfangen. Das Gespräch fand in der Kammer des Sanktandreser Gemeinderates in einer herzlichen Atmosphäre statt. Ins Gespräch kam unser ehemaliges Dasein in Andres, das Leben der heutigen Ansässigen und die weiteren Vorhaben des Gemeinderates in dem sichtlich aufblühenden Ort.
Bürgermeister Coman ist interessiert, dass der komplette Gemeinderat an einem Strang für das Wohlergehen der Menschen ziehen muss. Seine Absicht und sein Ziel scheinen zu fruchten. Ein geplantes Treffen der ehemaligen Andreser im Jahr 2023 im Ort wurde von dem Bürgermeister begrüßt. Die Mitglieder unseres Vorstands luden die drei Mitglieder des Gemeinderats zu unserem Sanktandreser Heimattreffen am 1. Oktober 2022 in Ellwangen herzlich ein.

Ein Tag später folgten wir einer Einladung von Frau Gürtler nach Kowatschi, wo man tiefgehend die derzeitigen politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Rumänien besprach, zudem Frau Gürtler doch der Partei USR, zu Deutsch: „Union rettet Rumänien – Partei der Freiheit, Einheit und Solidarität“ angehört.

Schatzsuche im Diözesanarchiv
Besonders erfolgreich waren wir wieder im Archiv der Temeswarer Diözese. Rein zufällig begegneten Juliane Wolf und ich am Eingang des Bistums den römisch-katholischen Bischof von Temeswar. Bischof Pál war von unserem Besuch interessiert und fragte, was uns als ehemalige Sanktandreser hierher führe. Wir erzählten ihm von den Sanktandreser Schätzen im Diözesanarchiv. Er wünschte uns viel Zeit und dabei zufriedenstellende Funde. Nach einer Ausschau nach denen gab es dann reichlich viele Überraschungen. Besonders beeindruckt waren wir von den Diplomarbeiten der Absolventinnen der Temeswarer Fakultät, die sehr viele Beiträge zur Sanktandreser Geschichte und zu unserer Mundart hinterlassen. Die Arbeiten von Frau Ingrid Noll-Kirch (1964), Frau Katharina Kruckenberger (1972), Frau Rosemarie Stemper (1977) und Frau Elena-Christina Costin (1996) sind für unser Kulturgut und unsere Existenz unverzichtbar. Auch viele andere Dokumente sind hier im Archiv vorzufinden.
Für die Bereitstellung der Dokus zur Einsicht möchten wir uns nochmals bei Herrn Dr. Claudiu Călin ganz herzlich bedanken.

Begegnung mit Frau Helen Alba im Temeswarer Stadtzentrum
Ebenfalls in Temeswar hatte ich die Gelegenheit mich mit Frau Helen Alba zu treffen. Frau Alba lässt seit 32 Jahren wöchentlich die beliebte Feldblume der Banater Schwaben die „Pipatsch“ blühen. Es ist die Beilage der Banater Zeitung, ein Extrablatt der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien. Letztes Jahr wurde sie für ihre Verdienste im Kultur- und Mundartbereich nach 1989 geehrt. Sie ist die Siegerin dieses Wettbewerbs. In mehreren Ausgaben des Blattes sowie im Temeswarer Radiosender berichtete sie ausführlich von verschiedenen Sanktandreser Lebensbereichen.

Wiedersehen macht Freude
Die Beziehungen zu den ehemaligen Sanktandreser Landsleuten, die heute noch in der alten Heimat leben, sind noch längst nicht erloschen. Familie Ivan lud uns „Deitschländer“ zu einem Grillabend ein.
Frau Neusatz hat uns in ein Sanktandreser Lokal eingeladen.

Temeswarer Kulturaktivitäten
Die Stadt überrascht zu jeder Zeit mit kulturellen Angeboten. Im Rahmen des internationalen Festivals „Timișoara muzicală“ wurde auf der Bühne der Temeswarer Oper das Musical „My fair Lady“ von Frederick Loewe aufgeführt. Der dreistündige Auftritt der hervorragenden Besetzung der Staatsbühne begeisterte voll und ganz auch uns Sanktandreser.

Es bestätigte sich mal wieder, eine Reise ins Banat lohnt sich allemal. Die Kür und Austragung Temeswars zur europäischen Kulturhauptstadt im nächsten Jahr lässt die Herzen der Banater Schwaben höherschlagen, zumal im Juni 2023 auch noch die Heimattage der Banater Deutschen in Temeswar und Umgebung stattfinden werden.

     

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