Erinnerungen

Erzählung von Hans Lutter und Hans Stemper

Nach dem Umsturz am 23.08.1944 wurden die Deutschen zu Prügelknaben in Rumänien.
Am 16.09.1944 war die Front bei uns in Sanktandres. Die Ungarn waren nördlich des Dorfes und die Rumänen südlich, gegen Temeschburg. Sie beschossen sich ständig gegenseitig, so dass sich kaum jemand aus dem Haus wagte. Für uns Kinder und die Frauen war das ein sehr aufregendes Erlebnis. Um im Hof Wasser zu holen, krochen wir auf allen Vieren zum Brunnen. Damals wurde Frau Anna Wissenz aus der Altgasse nahe dem Friedhof  beim Wasserholen am Brunnen von dem Splitter eines Granatwerfers getroffen. Sie war das einzige Todesopfer aus unserem Dorf. Es kamen damals auch vier ungarische Soldaten um, die von den deutschen Buben auf unserem Andreser Friedhof begraben wurden. Ihre Gräber werden auch heute noch gepflegt. Damals wurde auch der Turm der Friedhofskapelle durch ein Geschoss zerstört. Da die Ungarn sich fast ohne Widerstand vor den anrückenden Russen zurückzogen, kam unser Dorf gut davon.
Am 19.09.1944 zogen die ersten Russen in Andres ein. Ab dann wurde bei den Deutschen täglich genommen, was zu holen war: Kühe, Schweine, Schafe und andere Lebensmittel, bis wir alle fast nichts mehr zum Essen hatten. Mancher Nichtdeutscher bereicherte sich im Namen der Russen, die sich im Allgemeinen bei uns im Dorf nicht unmenschlich benommen haben.
Das Schlimmste kam am 14.01.1945. Damals begann die Verschleppung der deutschen Frauen zwischen 17 und 31 Jahren und der Männer zwischen 16 und 45 Jahren. Aus Sanktandres waren dies 322 Personen. Davon starben 39 Personen unschuldig in Arbeitslagern. Das Schlimmste war der Hunger, die Kälte, mangelhafte Hygiene und die Ungewissheit, was überhaupt mit uns Deutschen geschehen wird. Wir, die damaligen Kinder, blieben ohne Eltern weinend zurück. Damals wurden oft auch Geschwister, wo beide Eltern weg mussten, getrennt und bei verschiedenen Verwandten oder Bekannten untergebracht.
Unsere Großeltern und alle daheimgebliebenen Deutschen wurden enteignet und entrechtet. Wir alle lebten in großer Armut und mussten als Kinder schon viel und hart arbeiten. Wir halfen beim Anbau von Tabak und Zuckerrüben, der Seidenraupenzucht, Futter für die Tiere besorgen u.a. zum Überleben wurden Ziegen und Hasen angeschafft.
Wegen des Krieges und des Zusammenbruchs begann das Schuljahr erst im März 1945. Die Kinder des Jahrgangs 1937 wurden aufgeteilt. Einige kamen zu den 1936-ern, die anderen wurden zurückgestellt und mit den 1938-ern eingeschult. Deutschunterricht war verboten. Viele von uns Kindern kannten kein einziges Wort Rumänisch, unsere Lehrerin Frau Reniuc aus der Moldau kannte kein Wort Deutsch. So gab es große Probleme bei der Verständigung. Viele Kinder hatten in der Winterzeit keine entsprechenden Schuhe und Kleider, um überhaupt in die Schule gehen zu können. Einige kamen mit Holzschlappen in die Schule. 
Da wir uns mit den Kolonistenkindern (damals meist Mazedonier) sprachlich nicht verstehen konnten, kam es oft zu unnötigen Schlägereien. Oft wurden wir als „Hitleristen” beschimpft. 
Das Ganze ging nicht spurlos an uns vorbei und hat uns den Entschluss erleichtert, unsere Banater Heimat für immer zu verlassen.