Tief in Russland

Das folgende Lied ist während der Deportation unserer Banater Landsleute nach Russland im Lager von Stalino entstanden.

Tief in Russland, in Stalino,
liegt ein Lager stets bewacht.
Drinnen wohnen deutsche Menschen,
die man aus Banat gebracht.

Und die Herzen dieser Menschen,
schlagen traurig, ernst und schwer.
Möchten wieder in die Heimat,
sehnen sich nach Ihr so sehr.

Für sie gibt es nur noch Arbeit,
oft ein eisig kalter Wind.
Müssen so ihr Leid ertragen,
weil sie eben Deutsche sind.

Kennen nur noch Müh‘ und Plage,
niemals eine Herzens Freud‘.
Tragen Not und Sorgen schweigend,
und ein schweres, bitt’res Leid.

Ihre Gedanken aber weilen
in der Heimat immer dar.
Wo sie ihre Liebsten haben,
wo es schön und herrlich war.

Und wenn sie von Ihnen sprechen,
von dem einst verlor’nen Glück,
Ihre Herzen beinah‘ brechen,
sehnen sich nach Ihr zurück.

Und die Lieben in der Heimat
sind seit langem schon allein.
Die Kinder haben keinen Vater,
aber auch kein Mütterlein.

Und wenn dann die Kleinen fragen:
„Wo sind uns’re Mütter hin?“
Wird man ihnen weinend sagen:
„Mussten all‘ nach Russland zieh‘n.

Es vergehen Tag und Nächte,
Monate und auch ein Jahr.
Und im weiten, fernen Russland
Färbt sich grau schon unser Haar.

Sollte ich in Russland sterben,
sollt‘ ich da begraben sein;
Grüßet mir die teure Heimat
und meine Lieben all‘ daheim

Das Russlandlied
mit dem Banater Musiker Hans Griffaton

Wir gedenken der Deportation der Banater Schwaben und Siebenbürger Sachsen in die Sowjetunion. Ab Anfang des Jahres 1945 wurden über 70.000 Deutsche aus Rumänien aus ihren Familien gerissen, in Viehwaggons gepfercht und auf eine wochenlange Fahrt ins Ungewisse in die heutige Ukraine, Sibirien und Kasachstan gebracht. Die Internierung von Angehörigen der deutschen Minderheiten aus Rumänien in sowjetische Arbeitslager, die Männer im Alter von 17 bis 45 Jahren und Frauen zwischen 18 und 30 Jahren betraf, dauerte bis 1949 an. Tausende Menschen wurden Opfer dieser Maßnahmen, die tiefes Leid und schwerwiegende Konsequenzen für die betroffenen Familien mit sich brachten.